Österreichs öffentliche Verwaltung baut die Nutzung von Künstlicher Intelligenz weiter aus, dabei dominiert das Brz Bundesrechenzentrum als zentrale IT-Infrastruktur die Marktsituation. Die Digitalisierungsprojekte bewegen sich zwischen Cloud-Diensten von Microsoft Public Sector und der schrittweisen Umsetzung der EU-Vorgaben zum Einsatz von KI-Systemen in Behörden.
BRZ als zentrale Infrastruktur-Drehscheibe
Das Bundesrechenzentrum betreibt für Bund, Länder und Kommunen eine Azure-basierte Cloud-Plattform, über die KI-Dienste zentral bereitgestellt werden. Die Strategie folgt dem Prinzip der IT-Konsolidierung: Ministerien und nachgeordnete Stellen sollen nicht eigene KI-Umgebungen aufbauen, sondern auf standardisierte Services zurückgreifen. Diese Zentralisierung beschleunigt die Einführung von KI-gestützten Verwaltungsprozessen, führt jedoch auch zu einer strukturellen Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter.
Parallel dazu laufen Pilotprojekte in mehreren Bundesministerien und Landesverwaltungen, die Automatisierung von Routineprozessen testen. Die Anwendungsfälle reichen von der automatischen Klassifizierung von Eingaben in Bürgerportalen über die Vorbefüllung von Formularen bis hin zur Unterstützung bei der Bearbeitung von Förderanträgen. Der Einsatz von Large Language Models für die Recherche in Rechtstexten und internen Wissensdatenbanken steht dabei im Fokus.
EU AI Act trifft auf nationale Rechtsrahmen
Die EU-Verordnung über Künstliche Intelligenz (EU AI Act) verlangt von Behörden, die KI-Systeme als Hochrisiko-Anwendungen betreiben, umfassende Dokumentations- und Prüfpflichten. Betroffen sind vor allem Anwendungen im Bereich Sozialleistungen, Asylverfahren und öffentliche Sicherheit. Österreichische Behörden müssen bis zum vollständigen Inkrafttreten der Verordnung Risikoklassifizierungen vornehmen und Konformitätsbewertungen durchführen. Die rechtliche Umsetzung erfolgt über nationale Gesetze und Verordnungen, die konkrete Anforderungen für Beschaffung und Betrieb festlegen.
Diese Regulierung wirkt sich unmittelbar auf die Beschaffungspraxis aus: Anbieter müssen Nachweise zur Transparenz und technischen Dokumentation liefern, bevor sie in der Verwaltung eingesetzt werden dürfen. Für kleinere Kommunen und Gebietskörperschaften bedeutet dies zusätzlichen Aufwand bei der Prüfung und Integration von KI-Lösungen. Die Praxis zeigt, dass viele Stellen vorerst auf zentral freigegebene Lösungen setzen, um rechtliche Risiken zu minimieren.
Anbieter und technische Schwerpunkte
Neben Microsoft als dominierendem Cloud- und KI-Anbieter über das BRZ sind in Österreich vor allem IT-Dienstleister mit Public-Sector-Erfahrung aktiv. msg systems und Capgemini Public Sector bieten Beratungs- und Integrationsprojekte für Landes- und Kommunalverwaltungen an. Die Schwerpunkte liegen auf der Anbindung von KI-Modulen an bestehende Fachanwendungen sowie auf der Schulung von Verwaltungsmitarbeitern im Umgang mit generativen KI-Tools.
Ein technischer Fokus liegt auf der Automatisierung der Digitalen Akte und der intelligenten Vorbefüllung von Antragsformularen in Bürgerportalen. Hier greifen KI-Systeme auf bestehende Registerdaten zu und schlagen Antragsstellern Vorausfüllungen vor – ein Ansatz, der das Once-Only-Prinzip technisch umsetzt. Die Herausforderung liegt in der Interoperabilität zwischen verschiedenen Registerquellen und der Sicherstellung der Datenqualität.
Marktausblick und offene Fragen
Der österreichische Markt für KI im Public Sector bleibt überschaubar und stark von staatlicher Infrastruktur geprägt. Die Marktentwicklung wird weniger von Start-ups oder neuen Anbietern getrieben als von der schrittweisen Erweiterung bestehender Plattformen. Das BRZ plant den Ausbau seiner KI-Dienste, konkrete Roadmaps zu neuen Funktionen sind jedoch nicht öffentlich kommuniziert.
Offene Fragen betreffen vor allem die Digitale Souveränität: Die starke Abhängigkeit von US-amerikanischen Hyperscalern wird in Fachkreisen diskutiert, konkrete Alternativen oder europäische KI-Infrastruktur-Projekte für den Public Sector befinden sich aber noch in frühen Phasen. Zudem fehlt bislang ein systematisches Monitoring, welche KI-Systeme in welchen Behörden bereits produktiv laufen. Eine zentrale Transparenzpflicht analog zu anderen EU-Mitgliedstaaten könnte hier Abhilfe schaffen.
Für Entscheider in Verwaltungen bedeutet die aktuelle Entwicklung: Pilotprojekte laufen weiter, die rechtliche Rahmenbedingung durch den AI Act wird schrittweise umgesetzt, und die Infrastruktur wird zentral bereitgestellt. Der Markt bleibt vorerst konsolidiert, neue Anbieter haben es schwer, sich gegen etablierte Strukturen durchzusetzen. Wer KI-Projekte plant, sollte frühzeitig die Konformitätsanforderungen der EU-Verordnung in die Ausschreibung einbauen und auf zentrale Infrastruktur-Angebote des BRZ zurückgreifen.
Ein Blick auf die Entwicklung in Deutschland zeigt ähnliche Muster: Auch dort dominieren zentrale IT-Dienstleister und Hyperscaler-Plattformen. Der Artikel KI im Public Sector Deutschland: Zwischen Pilotprojekten und Skalierungsbarrieren beschreibt vergleichbare Herausforderungen bei der Skalierung von Pilotprojekten in den Regelbetrieb.